Rezension Laos Staudamm Modellprojekt

Luftaufnahme des umstrittenen Mega-Projektes NT2 © ADB, Flickr CC BY-NC 2.0

Laos: In den Augen der Weltbank ist der von ihr mitfinanzierte Staudammprojekt Nam Theun 2 (NT2) im Süden von Laos ein nachahmenswertes Modellprojekt. Das Buch „Dead in the water: Global Lessons from the World Bank’s Model Hydropower Project in Laos“ widerlegt den Mythos der vermeintlichen Erfolgsgeschichte.

Bruce Shoemaker und William Robichaud sammeln im Buch Dead in the Water. Global Lessons from the World Bank’s Model Hydropower Project in Laos Stimmen und Standpunkte zum umstrittenen Staudamm Nam Theun 2 (NT2) in Laos, den die Weltbank 2005 mitfinanzierte. NT2 war damals eines der größten und komplexesten und sehr kontrovers diskutierten Wasserkraftprojekte in Laos.

Es war das erste Projekt, das gemeinsam von privaten Geldgebern und der laotischen Regierung finanziert wurde, mit Unterstützung der Asian Development Bank (ADB) und der Weltbank (WB). Als ein Argument für die Finanzierung galt der so genannte „China factor“, also die Befürchtung der Weltbank und weiterer Geldgeber, wenn sie nicht finanzieren, dann finanziere China (und achte noch weniger auf soziale und ökologische Standards und gewinne mehr ökonomischen Einfluss).

Die beiden Herausgeber Shoemaker, Wissenschaftler mit Fokus auf Konflikte um natürliche Ressourcen und der Umweltbiologe Robichaud, stellen sich der Herausforderung, einen konsistenten und zusammenfassenden Überblick der Auswirkungen zu geben, die der Damm NT2 auf Gesellschaft und Umwelt in Laos hat. Alle im Buch versammelten Autor*innen kennen die Region seit Jahrzehnten, die meisten sprechen Laotisch und legen eigene Untersuchungen lange vor dem Dammbau zugrunde.

Ehrlich und schonungslos nehmen die Autor*innen soziale und ökologische Versäumnisse beim Dammbau ins Visier. Der Fokus liegt auf diesen beiden Aspekten, die Laos in der Öffentlichkeit nach Lesart von Weltbank und Regierung zu einem weltweit herausragenden positiven Beispiel des Dammbaus machen sollten.

Rezension Laos Staudamm Modellprojekt

Buchcover Shoemaker und Robichaud “Dead in the Water” © University of Wisconsin Press

Kritische Antwort auf Eigenlob der Weltbank

Das Buch ist die Antwort auf das 2010 erschienene Buch der Weltbank Doing a dam better. Die Herausgeber, zwei ehemalige Weltbank-Mitarbeitende, brachten das Buch über Planung, Entwicklung und erwartete Auswirkungen des Staudammbaus NT 2 heraus. Beitragende waren hauptsächlich (ehemalige) Mitarbeiter*innen und Berater*innen.

Im Buch loben sich die Weltbank-Mitarbeitenden zum größten Teil selbst. Kritik wird nicht am Projekt selbst geübt, sondern nur am Management der Umsetzung. Laut Weltbank habe der Bau des Staudamms NT2 in Laos nicht nur in den Projektgebieten sondern im ganzen Land positive soziale Auswirkungen mit sich gebracht.

Das wird im hier beschriebenen Buch in dreizehn Kapiteln, die in drei Themenblöcken gegliedert sind, gründlich widerlegt.

Im ersten Teil werden die Zeit vor der Entscheidung und die langen Diskussionen aufgegriffen. Beteiligte NGOs, vor allem CARE, The World Conservation Union (IUCN) und Wildlife Conservation International (WCS) sowie Berater*innen des Expertengremiums, die zu Beginn noch von den hochgesteckten Zielen des „New Model of Hydropower“ der Weltbank überzeugt waren, äußern ihre Enttäuschung. Vor allem die NGOs fühlten sich im Nachhinein benutzt, weil sie durch ihre Mitwirkung dem Projekt gleichzeitig Legitimität verliehen.

Dammbau zerstört Land, soziale Beziehungen und lokales Wissen

Die Autor*innen im zweiten Teil beschreiben vor allem die negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen (auch flussabwärts) und misslungene Umsiedlungsprogramme, die bis dahin wenig in den Blick genommen wurden. Von Umsiedlungen durch den Dammbau waren vor allem lokale Gemeinschaften betroffen, es wurden ca. 6.300 Menschen aus 17 Dörfern umgesiedelt.

Kompensationszahlungen für Umsiedlungen sind zwar per Dekret geregelt, aber oft fällt die Kompensation in den Provinzen deutlich niedriger aus als beispielsweise in der Hauptstadt Vientiane. Durch Umsiedlungen wurden soziale Beziehungen und Netzwerke zerstört: lokales Wissen und Erfahrungen innerhalb dieser sozialen Beziehungen und zum Land, auf dem die Menschen leben, wurden zerstört und können kaum wieder aufgebaut werden.

Außerdem kommt es durch Umsiedlung zu Streitigkeiten. Der Verlust von Land ist gleichbedeutend mit dem Verlust der Existenzgrundlage, die Bodenqualität des neuen Landes ist oft schlechter als die ursprüngliche.

Zu den ökologischen Auswirkungen zählen ausbleibende Sedimentablagerungen, die fehlenden Mineralien führen zu schlechterer Wasser- und Bodenqualität, was sich negativ auf die Landwirtschaft auswirkt. Zudem unterspült sedimentloses Wasser Felsen schneller und führt daher zu Erosion. Seltene Tier- und Pflanzenarten sterben aus und es kommt zum Fischsterben.

Mythos der Armutsminderung durch Dammbau

Im dritten Teil des Buches geht es um die Nutzung des NT2 als eine Art Marke, um die globale Wasserkraftindustrie zu legitimieren und ihr Wachstum zu ermöglichen. Dabei wurde in Laos das Narrativ der Armutsminderung mit dem Dammbau verknüpft. Die Weltbank sprach auch von breit angelegten Partizipationsprozessen, die eine Entwicklung des Landes nach sich ziehen sollten.

Das trat jedoch nicht ein. Außerdem unterstützte die Weltbank sehr einseitig private Investoren und Kreditgeber, die Bürger*innen profitierten jedoch nicht im selben Maß. Lokale Gemeinschaften zahlten den Preis dafür, dass weit weg profitiert wurde. Im Fall der Stromerzeugung durch das NT2 profitierte das stromhungrige Nachbarland Thailand. Denn der Strombedarf von Laos war zum Zeitpunkt des Dammbaus bereits gedeckt.

Auch aus ökonomischer Sicht war der Damm nicht erfolgreich. Thayer Scudder, ein ehemaliger Dammbefürworter und Mitglied im Expertengremium des NT2 ist inzwischen ein entschiedener Dammgegner: „Die Regierung von Laos plant in den nächsten 20 bis 30 Jahren weitere 60 Dämme, dabei hat sie momentan nicht mal die Kapazität mit den ökologischen und sozialen Auswirkungen eines einzigen Dammes fertig zu werden”, äußert sich Scudder im Buch.

Er bezweifelt, dass Wasserkraft eine zukunftsfähige Energiequelle ist. Wasserkraft ist aus ökonomischer Sicht ein Verlustgeschäft, weil die Entscheidungen bei den Kostenberechnungen meistens einseitig getroffen werden und Faktoren wie Inflation, Schuldenrückzahlung und ökologische und soziale Kosten nicht einbezogen sind.

Rezension Laos Staudamm Modellprojekt

Stromerzeugung für den energiehungrigen Nachbarn Thailand © ADB, Flickr CC BY-NC 2.0

Laos zahlt langfristig den Preis für den Dammbau

Auf lange Sicht wirken sich auch die Übernahmebedingungen, unter denen die Abkommen mit den Investoren geschlossen werden, nachteilig auf Laos aus. Die meisten Dammprojekte werden durch ausländische Investitionen und mittels so genannter unterschiedlicher Betreibermodelle („build-operate-transfer“ (BOT) oder „build-own-operate-transfer“ (BOOT)) mit den Investoren finanziert. Diese sehen vor, dass die Investoren das Eigentumsrecht und die Zuständigkeit nach mehreren Jahrzehnten an die laotische Regierung übergeben.

Im Fall NT2 geschieht das nach 25 Jahren. Und dann kann es sein, dass sich die Rahmenbedingungen längst geändert haben und der Betrieb des Damms verglichen mit alternativen und günstigeren Energielösungen wie Solar und hybriden Projekten schon nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Auch Instandhaltung und Modernisierung eines Damms ist mit exorbitant hohen Kosten verbunden und gerade unter sich ändernden Wetterbedingungen ist es äußerst wichtig, die Wartung konsequent umzusetzen.

In ihrem Fazit schreiben die Herausgeber, dass viele der vollmundigen Versprechungen der Weltbank sich nicht erfüllt haben. Das Projekt eigne sich nicht als Modellprojekt. Seine Fehler sollten nicht in anderen Dammprojekten weltweit wiederholt werden. Nach Meinung der Herausgeber und der Autor*innen sollte die Weltbank umdenken und sich mehr an den Bedürfnissen lokaler Gemeinschaften orientieren und weniger an den Interessen des privaten Sektors.

Die Herausgeber und Autor*innen empfehlen der Weltbank, ein vertieftes Verständnis der begangenen Fehler und deren Auswirkungen zu erlangen, um auf dieser Grundlage eine neue, gut durchdachte Strategie zu entwickeln. Stellenweise liest sich das Buch wie ein Krimi. Gerade vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen des Staudammbusiness im Mekong und der Regierungsstrategie, Laos zur ‚Batterie Südostasiens’ zu machen, ist dieses Buch zu empfehlen.

Es ist ein gute Lektüre, um sich vertiefter mit Aspekten des Dammbaus auseinanderzusetzen und sich nicht zu schnell vom Argument der „nachhaltigen Wasserkraft“ überzeugen zu lassen, die das Land „entwickeln“ und aus der „Armut führen“ soll.

Rezension zu: Bruce Shoemaker und William Robichaud (Hg) : Dead in the water: Global Lessons from the World Bank’s Model Hydropower Project in Laos. University of Wisconsin Press, 2019, 384 Seiten, Paperback.




Die gängige Entwicklungsdoktrin verschärft die Probleme. Große Infrastrukturprojekte verbrauchen Unmengen an Sand, welcher auch am Mekong abgebaut wird © Shankar S., Flickr CC-BY 2.0

Vietnam: Reiseprospekte über das Mekongdelta schwärmen von saftig grünen Reisfeldern, Bäuerinnen mit runden Spitzhüten, Mangrovenwäldern und schwimmenden Märkten. Die Idylle trügt. Denn der steigende Meeresspiegel frisst Meter um Meter Land dieser fruchtbaren Landschaft.

„Die Küstenerosion in der südlichsten Provinz Vietnams beeinträchtigt Tausende von Menschen. Die Behörden ergreifen Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, bevor die Schäden irreversible Ausmaße erreichen“, schrieb die Journalistin Van Chau am 1. Dezember 2019 in der Online-Zeitung Viet Nam News. Betroffene äußerten sich in dem Artikel wie folgt: „Vor einigen Jahren befand sich das Meer etwa 100 bis 200 Meter von meinem Haus in Dat Mui entfernt. Jetzt ist das Meerwasser nur 10 bis 15 Meter entfernt und bereits in meinen Brunnen eingedrungen“, berichtet Tran Van Ut, ein Landwirt in der südlichsten Provinz Cà Mau. Das hat für ihn vielfältige Folgen. „Ich kann doch zum Duschen kein Süßwasser kaufen, erstens weil nicht genug zur Verfügung steht, und selbst wenn ich Geld habe, ist es zu teuer. Wenn ich schmutzig von der Arbeit zurückkomme, springe ich einfach in mein Garnelenzuchtbecken.“

Vietnam versinkendes Mekondelta

Bedrohte Idylle – grüne Reisfelder im Mekongdelta © Stefan Kühner

Offizielle Zahlen der Behörden bestätigen dieses individuelle Bild im großen Rahmen. Seit 2005 erfährt das Mekongdelta eine jährliche Erosion von etwa 300 Hektar. Zwischen 2010 und 2015 sank die Region auf dem größten Teil ihrer Fläche zwischen fünf und zehn Zentimeter. Ein Anstieg des Meeresspiegels um 30 cm könnte nach Angaben der OECD den Verlust von fast 200.000 Hektar Reisanbau bedeuten.

Menschen auf der Flucht

„In den letzten Jahren hat das Salzwasser begonnen, vom Ozean aus weit ins Landesinnere des Deltas vorzudringen, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass die Landwirt*innen von ‚Salzzeit‘ sprechen. Einige sind vom Reisanbau auf die Zucht von Garnelen umgestiegen, die im nun brackigen Wasser zurechtkommen“, heißt es in der erwähnten OECD-Studie. Viele Familien sehen bereits heute keine Chance mehr für ihre Zukunft im Delta. Die Folgen des Klimawandels verursachen die Vertreibung von Menschen, die seit Generationen am Mekongdelta leben. Von rund 18 Millionen haben in den vergangenen Jahren schon 1,7 Millionen dem Delta den Rücken gekehrt. Eine Studie von Oanh Le Thi Kim und Truong Le Minh von der Van Lang Universität in Ho Chi Minh Stadt legt nahe, dass bei 14,5 Prozent der Migrant*innen der Klimawandel der dominierende Faktor war, das Mekongdelta zu verlassen. Wenn diese Zahl zutrifft, zwingt der Klimawandel jedes Jahr 24.000 Menschen dazu, die Region zu verlassen, um den schwierigen Bedingungen und der damit verbundenen Armut zu entkommen.

Vietnam versucht, mit viel Geld gegen die ökologischen Probleme vorzugehen. Mangrovenwälder werden wieder aufgeforstet. Stabile Uferböschungen sollen den Landfraß stoppen und neue Dämme, Schleusen und Sperrtore das Brackwasser von den Reisfeldern fernhalten.

Wasserversorgung ist langfristig bedroht

Nicht nur für die Einzelnen, sondern auch für die Behörden im Mekongdelta ähnelt der Kampf gegen die Probleme des Klimawandels dem Bemühen von Sisyphos. Lokale Gemeinschaften pumpen zum Beispiel in gemeinsamen Aktionen Grundwasser für Bewässerung, Aquakultur und Trinkwasser. Dies beschleunigt aber das Eindringen des Meerwassers und damit die Versalzung der Böden. Das Pumpen führt nämlich zu zusätzlichen Landabsenkungen und erschöpft die unterirdischen Wasservorräte. Dies bedroht die Wasserversorgung langfristig.

Die Dorfgemeinschaften und einzelne Bäuerinnen und Bauern steigen, unterstützt durch die Behörden, auf andere Produkte um. Zusätzlich zum Reis züchten sie Garnelen. Dies funktioniert bislang recht gut. Der Bedarf an Garnelen auf dem Weltmarkt ist groß und die Bäuerinnen und Bauern erzielen bei der Garnelenzucht den doppelten Ertrag im Vergleich zu Reis (vgl. Artikel „Möglichst billig, aber bitte mit Gütesiegel“ auf suedostasien.net). Allerdings ist dieser Erfolg schon wieder gefährdet, weil viele Menschen Ähnliches versuchen und auch andere Regionen in Südostasien auf diesen Zug aufspringen.

Vietnam versinkendes Mekondelta

Schwimmende Märkte am Mekong © Stefan Kühner

Behörden und Wissenschaftler*innen aus Europa und Vietnam schlagen vor, den Reisanbau klimaresistenter auszurichten, was der Jahrhunderte alten Tradition der Eigenversorgung entspräche. Weitere Empfehlungen sind auf Obst und Blumen oder auf Viehzucht umzusteigen, zum Beispiel Kaninchen und Bienen, anstatt Reis anzubauen. Für die viele Bäuerinnen und Bauern mit niedrigem Ausbildungsniveau bietet das keine langfristige Perspektive. Bleiben also nur noch Konzepte zur Industrialisierung, wie sie vor allem von internationalen Investor*innen vorgeschlagen werden. „Der Aufbau von Windkraftanlagen boomt“, schreibt Viet Nam News. Ob damit Millionen von Bäuerinnen und Bauern eine alternative Lebensgrundlage finden, ist mehr als fraglich.

Entwicklungszusammenarbeit mit Vietnam

Vietnam gehört zu den wichtigsten entwicklungspolitischen Partnern Deutschlands. Zur Umsetzung dieser Zusammenarbeit machte Deutschland zuletzt Zusagen von rund 160 Millionen Euro. Schwerpunkte in der Zusammenarbeit liegen im Bereich berufliche Bildung, umweltfreundliche Energiegewinnung und Umwelt- und Ressourcenschutz. Bei den aktuellen Projekten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) steht das Mekongdelta mit seinen Problemen an vorderer Stelle.

Seit 2019 läuft ein Projekt mit der Bezeichnung „Mekong Delta Climate Resilience Programme (MCRP)“. Partner in Vietnam ist das Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Ziel des Projekts ist der Schutz und das Management der natürlichen Ressourcen im Mekongdelta. Aus dem Projekt sollen Erkenntnisse und Maßnahmen abgeleitet werden, wie die natürlichen Ressourcen des Deltas so gestärkt werden können, dass sie den Veränderungen durch den Klimawandel besser gewappnet sind. Dabei soll insbesondere die Anwendung von innovativen und an den Klimawandel angepassten Technologien untersucht werden. Der Fokus liegt auf dem Land- und Wassermanagement sowie dem Küstenschutz. Moderne Techniken wie Fernerkundung mit Leichtgewicht-Drohnen in Erosionsgebieten an Küsten, Kanälen und in Mangrovenwäldern spielen dabei eine wichtige Rolle.

Ein weiteres zielgenau einsetzbares Projekt läuft an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft. Im ‚WaKap‘-Projekt soll ein energieeffizienter, modularer Kombinationsprozess zur Entsalzung von Meer-, Brack- und Grundwasser durch Kapazitive Entionisierung (Capacitive Deionisation, CDI) und Umkehrosmose (UO) entwickelt werden. Dabei handelt es sich um ein völlig neues Entsalzungsverfahren, bei dem die Energieversorgung über regenerative Energien (Sonne, Wind) erfolgt, um einen autonomen Betrieb der Anlagen (ohne Netzanbindung) zu ermöglichen.

Menschengemachte Probleme

Das rasante Wirtschaftswachstum am Mekong, in Vietnam selbst und insbesondere beim großen Nachbarn China verschärft die Probleme im Delta. Zu nennen ist hier die große Zahl von Staudämmen am Oberlauf des Mekong in China und in Laos. Sie verknappen das Wasser in den unteren Flussregionen und die fruchtbaren Sedimente, die das Mekongdelta im Laufe der Jahrtausende erst geschaffen haben. Mit dem Strom wollen die Erbauer*innen der Staudämme Geld verdienen. Denn Strom wird dringend gebraucht für die Industrialisierung und für angenehmere Lebensbedingungen der Menschen. Vor allem Laos baut auf die Einnahmen aus dem Export von Strom, da es ansonsten kaum Möglichkeiten sieht, Mittel für die Verbesserungen der Infrastruktur und Lebensbedingungen zu erwirtschaften. Profiteure sind allerdings vor allem internationale Finanzierungs- und Baukonzerne, die die Staudammprojekte planen, bauen und betreiben (vgl. Artikel „Riesendesaster statt Modellprojekt“ auf suedostasien.net).

Vietnam versinkendes Mekondelta

Überflutetes Mekongufer bei Chau Doc an der Grenze Vietnam/Kambodscha © Water Alternatives, Flickr CC BY 2.0

Für Staudämme und andere gewaltige Infrastrukturprojekte wie Straßen, Brücken und Hochhäuser werden Unmengen an Beton und damit Sand benötigt. Dieser ist knapp, was dazu führt, dass der illegale Sandabbau in den Deltas der großen Flüsse, also auch im Mekongdelta, zunimmt. Ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziertes Projekt „Catch-Mekong“ an der Leibnitz Universität Hannover kommt zu dem Schluss, „dass der Nachschub von Sedimenten aus dem Mittel- und Oberlauf des Mekong bereits heute zu gering ist, um die Sandentnahmen im Delta auszugleichen. Vor dem Hintergrund der intensiveren Nutzung der Wasserkraft am Mekong und mit dem Bau von mehr als einem Dutzend neuer Stauanlagen verschärft sich die Problematik der Stabilität des Mekong im Unterlauf und im Delta infolge eines zusätzlichen Rückhalts von Sedimenten im Mittel- und Oberlauf.“

Vietnam unterstützt Pariser Klimaabkommen

Schon 2016 hat die Regierung einen Plan zur Implementierung der Klimaschutzabkommen von Paris vorgelegt. Es fehlt auch nicht an ehrgeizigen Plänen zur Verbannung der Millionen die Luft verpestenden Mopeds aus Hanoi, Ho Chi Minh Stadt oder Da Nang. Gegenüber dem rasanten Wirtschaftswachstum bleiben die Pläne weitgehend wirkungslos. Hanoi bleibt laut Greenpeace eine der Städte mit der schlechtesten Luft in Südostasien. Auch bei diesem Problem sucht Vietnam Unterstützung aus Deutschland. Im November 2019 organisierte das vietnamesische Ministerium für Natürliche Ressourcen und Umwelt (MONRE) mit Unterstützung der Hanns-Seidel-Stiftung (HSF) einen Konsultationsworkshop zur Bewertung der Umsetzung der Nationalen Umweltschutzstrategie bis 2020 und zur Skizzierung der Strategie im Zeitraum 2021-2030. Die Regierung fördert außerdem Projekte „Jugend für den Umweltschutz“ gemeinsam mit der EU. Eine Bewegung vergleichbar mit ‚Fridays for Future‘ steht in Vietnam noch in den Anfängen (vgl. Artikel „Das Klimaregime muss dekolonisiert werden“ auf suedostasien.net).




Südostasien Staudämme Mekong

Der Nuozhadu-Staudamm am Oberlauf des Mekong, der in China ‚Lancang Jiang’ (Turbulenter Fluss) genannt wird © InternationalRivers/Flickr CC BY-NC-SA 2.0

Südostasien/China: Staudämme in China stören den natürlichen Wasserfluss des Mekong und riskieren damit die Lebensgrundlage von Millionen Menschen. Die chinesische Regierung scheint bislang nicht bereit, durch Zusammenarbeit zu einer Verbesserung der Situation beizutragen.

Während Teile Thailands, Kambodschas, Laos und Südvietnams im vergangenen Jahr eine verheerende Dürre erlebten, hielt China reichlich Wasser am oberen Mekong von den flussabwärts gelegenen Gemeinden zurück, was die Ernten und Fischbestände vernichtete und eine der größten Wasserstraßen der Welt in die Knie zwang. So war der Flusspegel bis zu fünf Meter tiefer als er unter natürlichen Bedingungen hätte sein sollen, während in den flussaufwärts gelegenen Gebieten Chinas von April bis November überdurchschnittliche Niederschlagsmengen verzeichnet wurden.

Im Juli erreichte der Fluss in Nordthailand seinen niedrigsten Wasserstand seit einem Jahrhundert während im November der kambodschanische Tonle Sap-See, der dem Land in einem normalen Jahr bis zu 500.000 Tonnen Fisch liefert, einer Krise ausgesetzt war, da sein einzigartiger jährlicher Überschwemmungszyklus unterbrochen wurde.

Südostasien Staudämme Mekong

Die Karte zeigt überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen am oberen Mekong im Jahr 2019 und weit unterdurchschnittlichen Niederschlägen in weiten Teilen Thailands, Laos, Kambodschas und des Mekong-Deltas in Vietnam © Karte mit freundlicher Genehmigung des Stimson Center bei MONGABAY

Langzeitstudie zeigt Zusammenhänge zwischen Dürre und Dämmen

Seit Jahrtausenden nährt der natürliche Überschwemmungszyklus des Mekong fruchtbare Fischerei- und Landwirtschaftsgebiete und schafft letztendlich das Mekong-Delta, die wichtigste Agrarregion Vietnams, in der 20 Millionen Menschen leben. Staudämme am Lancang, wie der Fluss in China genannt wird, und neue, in Bau befindliche Staudämme am Mekong und seinen Nebenflüssen in Laos haben diesen Kreislauf vollständig unterbrochen, während der jährliche Monsun aufgrund des Klimawandels unregelmäßig geworden ist.

So lauten die Ergebnisse eines Berichts von Eyes on Earth, einem Forschungsunternehmen mit Sitz in Asheville, North Carolina. Seine Autoren Alan Basist und Claude Williams analysierten von 1992 bis 2019 Satellitenbilder des Lancang und tägliche Daten von einem Messgerät am Mekong in Nordthailand, um die Auswirkungen der vorgelagerten Staudämme in China auf den Wasserfluss zu messen.

Die chinesische Regierung hat die Schlussfolgerungen des Berichts kategorisch zurückgewiesen, während sie sagte, der Lancang befinde sich in einer eigenen Dürre.

Die Forscher schreiben, dass sie „die Wassermenge, die natürlicherweise fließen würde, im Vergleich zur Messung am Chiang Saen-Messgerät [in Thailand] berechnet haben“. Für die fraglichen 28 Jahre stellten sie fest, dass in Chiang Saen eine kumulative Flusshöhe von 126,4 Metern (414,8 Fuß) fehlte.

Die Auswirkungen des chinesischen Systems von Kaskadendämmen am Mekong, der 60 Millionen Menschen in Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam versorgt, sind seit 2012 besonders ausgeprägt. In diesem Jahr wurde der Nuozhadu-Damm fertiggestellt und weitere sechs Dämme wurden auf chinesischem Territorium seither gebaut, so dass sich die Gesamtzahl auf elf erhöht hat.

Südostasien Staudämme Mekong

Menschliche Aktivität entlang des Mekong. © Michael Tatarski

Als China diese Dämme in Betrieb nahm, startete es ein Wassermanagementsystem, mit dem es während der Regenzeit Wasser in Stauseen speichert und dann während der Trockenzeit Wasser abgibt, um seine Wasserkraftturbinen anzutreiben.

Im Allgemeinen hat dieses System funktioniert. Obwohl der Wasserfluss nicht dem entspricht, der ohne die vorhandenen Dämme natürlich gegeben wäre, sind die Fischgründe und landwirtschaftlichen Flächen des unteren Mekong-Beckens relativ gesund geblieben und haben das Leben der Landwirte, Fischer und ihrer Familien in der Region aufrecht erhalten.

Wie oben erwähnt, waren die Auswirkungen dieses Managementsystems im vergangenen Jahr jedoch besonders ausgeprägt.

Störung eines komplexen ökologischen Fluss-Systems

Im selben Jahr waren die Menschen in Nordthailand überrascht, dass das normalerweise dunkelbraune Wasser des Mekong blau wurde, da stromaufwärts gelegene Dämme immer mehr Sedimente zurückhielten. Brian Eyler, Programmdirektor für Südostasien am Stimson Center in Washington DC und Autor des Buches Last Days of the Mighty Mekong aus dem Jahr 2019, äußerte in einer E-Mail, dass dies für stromabwärts gelegene Gemeinden verheerend war. „Während der traditionellen Monsunzeit 2019, in der aufgrund eines El Niño-Wettermusters keine Monsun-Regenfälle erzeugt wurden“, so Eyler, „wirkte sich Chinas beispiellose Wassereinschränkung unbestreitbar auf Thailands nordöstliche Bewässerungsprojekte, den Tonle Sap-See und das Mekong-Delta aus und verringerte die Lebensgrundlagen von dutzenden Millionen Menschen, die dort leben.“

„Das komplexe System ökologischer Prozesse des Mekong funktioniert am besten, wenn der Fluss in der Monsunzeit anschwillt und die Trockenzeit den Fluss auf extreme Tiefststände senkt“, fügte er hinzu. „Überschwemmungen werden nicht als Gefahren angesehen, vielmehr werden sie von den meisten entlang der Flussufer begrüßt. Wenn Chinas Einschränkungen während der Monsunzeit Überschwemmungen beschneiden und das Niveau des Flusses während der Trockenzeit erhöhen, kann die Kraft des Mekong aufgehoben werden.“

Daten zeigen den erwarteten Wasserstand (blaue Linie) gegenüber dem tatsächlichen Wasserstand (orange Linie) am Mekong von 2010 bis 2020, wobei der Unterschied während der jüngsten Dürre besonders ausgeprägt. © Mit freundlicher Genehmigung des Stimson Center bei MONGABAY

Im Februar kündigte China an, mehr Wasser aus seinen Dämmen freizusetzen, angeblich um seinen Nachbarn am unteren Flusslauf zu helfen. Gleichzeitig erklärte China, es leide an einer Dürre entlang des Lancang, obwohl die oben genannten Satellitendaten etwas anderes zeigten.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler Alan Basist und Claude Williams hatte diese Maßnahme nur eine begrenzte Wirkung: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Einschränkung des Wasserflusses durch die Dämme zwar Ende 2019 und Anfang 2020 sicherlich abnahm, der Abfluss aus dem oberen Becken jedoch immer noch nicht den natürlichen Wasserfluss in dieser Zeit abbilde.“

Vietnamesische Medien berichteten, dass die Freisetzung zu gering war, um überhaupt das Mekong-Delta zu erreichen, das einer eigenen historischen Dürre ausgesetzt ist, zusammen mit einem Rekord-Salzeinbruch, der teilweise auf einen Mangel an stromabwärts fließenden Sedimenten aufgrund der Dämme zurückzuführen ist.

Anrainerstaaten sollten stärker zusammenarbeiten

Marc Goichot, Leiter für Süßwasser im asiatisch-pazifischen Raum beim WWF, ist der Ansicht, dass der Aspekt der Rechenschaftspflicht für dieses Problem leicht gelöst werden kann. „Wer falsch oder wer richtig liegt, lässt sich klären. Wenn China Recht hat und nichts falsch macht, dann stellt es Daten zur Verfügung“, so Goichot. „Wenn wir keine Daten bekommen, dann ist die Sache strittig.“

Die Mekong River Commission (MRC), eine zwischenstaatliche Organisation, die mit den Regierungen von Vietnam, Kambodscha, Laos und Thailand zusammenarbeitet, überwacht den Wasser- und Sedimentfluss des Mekong, verfügt jedoch über keine Überwachungsstationen in China. Laut Goichot hat sich China lediglich bereit erklärt, der MRC, der es als beobachtendes Mitglied angehört, nur teilweise Daten zu den Wasserständen und keine Daten zu den Sedimenten mitzuteilen.

„China mag anderer Meinung sein, aber der Weg in die Zukunft besteht darin, Informationen auszutauschen.“, so Goichot. Wenn wir Echtzeitdaten oberhalb und unterhalb der Dämme hätten und Daten über den Betrieb der Dämme austauschen würden, wie wir es in vielen anderen Teilen der Welt tun, wüssten wir, was los ist.“

Der englische Originalartikel erschien in MONGABAY, News & Inspiration from Nature’s Frontline, 30. April 2020 und wurde für die südostasien redaktionell bearbeitet.

Übersetzung aus dem Englischen von: Jörg Schwieger.




Kambodscha, Staudamm, Kurzfilm

Im Kurzfilm Further and Further Away geht es um junge, indigene Menschen in Kambodscha, die ihr Heimatdorf verlassen mussten. Der Grund: der Bau eines Wasserkraftwerks. © Polen Ly 2022

Kambodscha: Der Kurzfilm „Further and Further Away“ von Polen Ly zeigt in poetischen Bildern, welche Auswirkungen ein Staudammbau auf das Leben junger, indigener Kambodschaner*innen hat.

Rauschendes, trübes Wasser, das durch Beton-Schleusen fließt, tosend und laut. So beginnt der ansonsten stille Kurzfilm Further and Further Away (Chhngai Dach Alai) des kambodschanischen Filmemachers Polen Ly. Er erzählt von einem Geschwisterpaar, das wegen des Baus eines Staudamms vor einigen Jahren sein Heimatdorf verlassen musste. Bruder und Schwester wurden in ein neues Dorf mit Beton-Häusern umgesiedelt. Nun haben sie beschlossen, auch dieses Dorf zu verlassen und in die Hauptstadt Phnom Penh zu ziehen – auf der Suche nach einem besseren Leben. Der Film begleitet die beiden an ihrem letzten Tag im Dorf.

Abschied vom alten Leben

Kambodscha, Staudamm, Kurzfilm

Ein Geschwisterpaar verbringt einen letzten Tag im Dorf, bevor es auf der Suche nach einem besseren Leben in die Stadt zieht. © Polen Ly 2022

Während der Bruder die Besitztümer in Plastiktüten packt, reinigt die Schwester Plastikblumen, die auf dem Familienaltar stehen. Der Bruder verkauft die letzten Hühner, um Geld für den Bus in die Stadt zu haben. Zögerlich schlägt die Schwester vor, ein letztes Mal zum Geisterhaus der verstorbenen Eltern zu fahren, um sich von ihnen zu verabschieden. Es befindet sich im mittlerweile überfluteten Heimatdorf. Sie erzählt ihrem Bruder, dass sie immer wieder von ihnen träume. Er findet einen letzten Besuch unnötig. Also macht sie sich alleine auf den Weg, früh morgens mit einem kleinen Motorboot.

Im überfluteten Heimatdorf gleitet sie durch hüfttiefes Wasser, vorbei an abgestorbenen Bäumen und den Resten von Bambushütten. Am Geisterhaus der Eltern angelangt, platziert sie kleine Opfergaben. Sie verbringt eine Weile in ihrer alten, noch stehenden Hütte, läuft durch den nahegelegenen Wald und klettert auf einen Baum. Akustisch umrahmt wird ihr Besuch von Vogelstimmen, Regen und dem Surren der Insekten. Abschließend beobachtet sie Kinder, die im Wald Kräuter sammeln. Anscheinend mussten sie das Dorf nicht verlassen.

Menschenrechte und Natur

In eindrucksvollen, poetischen Bildern zeichnet Autor und Regisseur Polen Ly den Konflikt zwischen Modernität und Tradition, zwischen Stadt und Land, zwischen sogenanntem Fortschritt und angeblicher Rückständigkeit. Die Darstellung der Natur nimmt dabei viel Raum ein – ein grüner Wald mit Vogelstimmen, dunkler, bewölkter Himmel, Regen, der auf Bambusdächer fällt. Ganz anders das umgesiedelte Dorf: vertrocknete Landschaften, gelblich-verblasste Beton-Häuser, Risse in Böden und Wänden der noch nicht alten Häuser.

Polen Ly, geboren 1989, ist einer der etabliertesten jungen Independent-Filmemacher im Land. Auch seine vorherigen Kurzfilme thematisieren soziale Fragen im Zusammenhang mit Menschenrechten und Natur, darunter auch Aspekte von LGBTI* und indigene Perspektiven. Further and Further Away hatte auf der Berlinale 2022 Premiere. Derzeit bereitet er seinen ersten langen Dokumentarfilm The Tongue of Water vor, der im selben Gebiet wie Further and Further Away gedreht wird.

Innere Zerrissenheit und Kommerzialisierung

Kambodscha, Staudamm, Kurzfilm

Der Kurzfilm Further and Further Away lief im Wettbewerb Berlinale Shorts auf der Berlinale 2022. © Polen Ly 2022

Der Film zeigt die Auswirkungen von Entwicklungsprojekten auf das Leben der Menschen. Diese werden bei der Planung zwar thematisiert, bleiben aber abstrakt. In Further and Further Away sieht man anschaulich und genau, wie sich so ein Projekt auf die individuellen Lebensumstände, auf die Gemeinschaft und die Identität der Menschen auswirkt. Denn das alles geht mit dem Staudammbau und dem Verlust des Heimatdorfes einher.

Am Beispiel des Geschwisterpaares macht der Film auch die innere Zerrissenheit und die Widersprüche deutlich, die Menschen möglicherweise durchmachen, deren Lebensgrundlage von Entwicklungsprojekten wie einem Staudammbau wegfällt und die sich entscheiden müssen: Umsiedlung oder Umzug in die Stadt. Die Schwester tut sich schwer mit dem Gedanken an ein Leben in der Stadt, fernab von dem, was ihr vertraut ist und über Generationen weitergegeben wurde. Der Bruder ist pragmatisch und zielgerichtet. Für ihn ist der Umzug die einzige Möglichkeit, sich eine neue Lebensgrundlage aufzubauen. Symbolisch können beide für die Hoffnungen und Ängste vieler Menschen stehen, die von Entwicklungsprojekten betroffenen sind.

Herzschmerz und Entschleunigung

Der Film sei keine Mahnung vor Staudammprojekten, sondern eine Art Verarbeitung des Herzschmerzes, den er während des langen Aufenthalts im Dorf wahrgenommen habe, sagt der Filmemacher. Da sich die Lebensbedingungen veränderten, verschwänden viele Traditionen, gemeinschaftlicher Zusammenhalt erodiere und traditionelle Arbeitsfelder wie Landwirtschaft seien nicht mehr möglich.

Kambodscha, Staudamm, Kurzfilm

Ein letztes Mal fährt die Schwester in das überschwemmte Heimatdorf, um sich von den verstorbenen Eltern zu verabschieden. © Polen Ly 2022

Polen Ly zeigt in dem Film die Lebensrealitäten und auch die Träume von jungen Kambodschaner*innen, die zwischen Tradition und Moderne schwanken. Gleichzeitig beschränkt sich die Deutung nicht auf das ländliche Kambodscha, wie er im Interview mit der Heinrich-Böll-Stiftung erklärt: „Ich glaube auch, dass der Film die Geschichte unserer heutigen Welt erzählt, in der es zwei Meinungslager gibt – eine Gruppe, die sich für ein sehr schnelles, materialistisches und fortschrittliches Leben entscheidet und einer Sache nach der anderen hinterherjagt, und eine andere Gruppe, die ein nachhaltiges und entschleunigtes Leben wählt.“

Drehen am Originalschauplatz mit authentischen Darsteller*innen

Beeindruckend ist, dass der Film in einem der Dörfer gedreht wurde, die wegen des Baus des Lower Se San II Staudamms umgesiedelt wurden. Dieses Gebiet ist für Filmschaffende wie Polen Ly nur schwer zugänglich. Die Darstellenden sind allesamt Dorfbewohner*innen und gehören der Minderheit der ethnischen Bunong an. Sie hatten keinerlei Filmerfahrung. Ihre Sprache ist die Sprache des Films. Da Polen seit 2017 für ein Dokumentarprojekt regelmäßig im Dorf war, knüpfte er Kontakte und schaffte Vertrauen zu den Bewohner*innen. Dass er diese Thematik mit einem fiktiven Film und nicht mit einer Dokumentation behandelt, macht Further and Further Away besonders. Der Drehort, die Schauspieler*innen und die Vertrautheit, mit der Polen die Geschichte erzählt, lassen Nähe und Emotionen zu. Zu guter Letzt lädt dieser sehenswerte Film dazu ein, die zentrale Bedeutung von Gemeinschaft, Identität, Traditionen und Spiritualität im Hinblick auf Entwicklungsprojekte zu hinterfragen.

Rezension zu: Further and Further Away. Regie und Drehbuch: Polen Ly. Kambodscha. 2022. 24 Minuten. Hier geht’s zum offiziellen Trailer




Philippinen, Indigene, Wasser

Ritual am Tinipak-Fluss, der in den Kaliwa-Fluss fließt. Auf dem Ahnenland der Dumagat-Remontado wird der Kaliwa-Staudamm geplant, der Manila mit Wasser versorgen soll. © Keith Anthony S. Fabro, alle Rechte vorbehalten

Philippinen: Der immense Wasserverbrauch der Hauptstadt Manila soll mit einem neuen Staudamm gestillt werden. Das bedroht das Leben der indigenen Dumagat-Remontado.

Die Insel Luzon im Norden der Philippinen zeichnet sich durch eine Vielfalt ökologischer Lebensräume und kultureller Lebensweisen aus. Das Weltkulturerbe der Reisterrassen im Banaue-Tal ist hier beheimatet, ebenso wie die wohl älteste Tattoo-Künstlerin der Welt, Apo Whang-Od, die im April 2023 auf dem Cover der Vogue portraitiert wurde. Die Landschaft Luzons ist geprägt von der Sierra Madre, der längsten Gebirgskette der Philippinen, die sich im Osten der Insel erstreckt und mehrere Naturschutzgebiete (Sierra Madre Biodiversity Corridor, SMBC) umfasst.

In den Bergregionen östlich der Hauptstadt Manilas leben die indigenen Gemeinschaften der Dumagat-Remontado, die sich taga-bundok (deutsch: aus den Bergen) nennen. Aufgrund der kolonialen Expansion moderner Lebensweisen haben sie sich immer weiter in die Berge zurückgezogen und leben dort im Einklang mit den Wassern, Wäldern und Tieren ihrer Umgebung.

Hundertjährige Wasserquelle für wen?

In den östlich von Manila gelegenen Regionen Quezon und Rizal entsteht derzeit das New Centennial Water Source – Kaliwa Dam Project (NCWS-KDP). Die Neue Hundertjährige Wasserquelle soll eine langfristige Wasserversorgung für den stetig wachsenden Metropolraum Manilas sicherstellen. Nach Angaben des Stratbase ADR Institute for Strategic and International Studies (ADRi) soll das Staudammprojekt ab 2027 bis zu 600 Millionen Liter Wasser pro Tag für den Großraum Manila und die umliegenden Regionen liefern. Davon sollen circa 18 Millionen Menschen profitieren. Die bestehende Abhängigkeit vom Angat-Ipo-La Mesa-Komplex und die Gefahr eines Wassermangels in der Metropolregion soll dadurch signifikant verringert werden. Darüber hinaus wird das NCWS-KDP als ein Projekt zur Steigerung der Resilienz hinsichtlich des Klimawandels dargestellt, das die Prinzipien der Sustainable Development Goals und deren Anspruch auf Zugang zu Wasser verfolgt.

Philippinen, Indigene, Wasser

Betroffene Regionen des geplanten Kaliwa-Staudammes. © PAKISAMA, alle Rechte vorbehalten

Die Dammbauten zum Anstauen des Kaliwa-Flusses wurden von Ex-Präsident Rodrigo Duterte (2016-2022) als alternativlos dargestellt. Bereits unter der Präsidentschaft Corazon Aquinos (1986-1992) waren die Pläne (die seit den 1970ern wegen zu großem Widerstand beiseitegelegt worden waren) wieder aus der Schublade geholt worden. Mit seiner brachialen Art, sich gegen jegliche Widerstände durchzusetzen, wischte Duterte die ökologischen, sozialen und seismographischen Bedenken vom Tisch und drückte das von China mitfinanzierte Infrastrukturprojekt durch: „Es mag einige Gefahren und Schäden geben, aber das ist nicht meine Sorge. Mir geht es um das Wohlergehen, um das größte Gut für die größte Zahl. Das ist Demokratie.

Fragen der Wassergerechtigkeit

Die sozio-ökologischen Folgen von Wasserprojekten werden wissenschaftlich im Rahmen der Environmental Justice Studies und speziell der Water Justice Studies analysiert. Der Fokus sind intersektionale Verflechtungen, Partizipationsmöglichkeiten der betroffenen Gemeinschaften sowie der gerechte und niederschwellige Zugang in Bezug auf Wassernutzung. Wirtschaftliche Interessen und politische Machtstrukturen resultieren oft in einem privilegierten Zugang für bestimmte Gruppen, während andere marginalisiert werden. Im Rahmen der Water Justice Studies konnte beispielsweise dargestellt werden, dass Staudammprojekte heute einen Rückgang kultureller Vielfalt bedeuten (vgl. Johnston et al. 2012: 305).

Das ist auch beim geplanten Kaliwa- Damm zu befürchten: Die weitreichenden Baumaßnahmen würden bis zu 10.000 Indigene vertreiben, berichtet das ADRi. Umweltschutzorganisationen wie der World Wildlife Fund for Nature (WWF) befürchten zudem, dass die Baumaßnahmen einen immensen Druck auf die Ökosysteme ausüben werden, was mit dem Schutz von Frischwasser und Biodiversität unvereinbar sei. Mit dem Environmental Compliance Certificate (ECC) des Department of Environment and Natural Resources (DENR), das der damals verantwortliche Umweltminister Roy A. Cimatu im Jahr 2019 präsentierte, wurden die größten rechtlichen Barrieren in diesen Kontexten beseitigt. Der philippinische Anthropologe Nestor Castro stellte jedoch fest, dass die Vereinbarung mit den Dumagat-Remontado unter hohem Druck ausgehandelt worden war. Castro konnte einen vehementen Widerspruch von 23 Communities gegen das geplante Projekt vorlegen.

Indigener Widerstand

Unser Land gibt uns unsere Nahrung. Es ist unsere Lebensgrundlage. Sie nehmen uns nicht nur das Land, sie nehmen uns das Leben”, betonte Meleng Rutuqeio, ein Sprecher der Dumagat-Remontado, während der Proteste in Manila gegen die Staudammprojekte. Die Dumagat-Remontado haben eine entscheidende Rolle im Widerstand gegen den Bau des Kaliwa-Staudamms. Für sie geht es um eine direkte Bedrohung ihres angestammten Landes und somit ihrer traditionellen Lebensweise und kulturellen Integrität.

Philippinen, Indigene, Wasser

Auf dem Gebiet des geplanten Staudammes liegt ein Großteil des Ahnenlands der Dumagat-Remontado © PAKISAMA, alle Rechte vorbehalten

Ein weiterer Vertreter der Indigenen aus Quezon, Arnel de los Santos, verwies darauf, dass es um ein grundlegend anderes Verständnis von Leben gehe. Die Dumagat-Remontado sehen – anders als die dominierende westliche Logik – keine Trennung zwischen Kultur und Natur. Sie vertreten eine ganzheitliche Sicht auf die Umwelt, während die Staudammbefürworter*innen eine technokratische und ökonomische Perspektive einnehmen.

In Konflikten durch Großprojekte in indigenen Gebieten kommen immer wieder derartige fundamentale kulturelle Differenzen zum Ausdruck. Der Kampf um Wasser ist sogleich ein Kampf um Weltvorstellungen, wie Jerry Mander im Kontext der Menschenrechte indigener Gemeinschaften formulierte: „Man könnte sie als Ressourcenkriege bezeichnen. Aber genauer gesagt sind es Weltanschauungskriege, Paradigmenkriege, die auf gegensätzlichen Auffassungen darüber beruhen, wie der Mensch auf der Erde leben soll.“ (Jerry Mander 2006: 4)

Menschenrechte im Patt

In diesem Konflikt werden Limitierungen der Menschenrechte deutlich, weil Diskurse um Wasser gegen das Menschenrecht auf indigene Lebensweise ausgespielt werden. Die Vereinten Nationen berichteten bereits im Jahr 2010 von einem problematischen Verhältnis zwischen den Landrechten indigener Gruppen und einem universellen Recht auf Wasser: „Die Wasserquellen indigener Völker könnten abgezweigt werden, um städtische Gebiete mit sicherem Trinkwasser zu versorgen. Um das Recht indigener Völker auf Wasser zu sichern, sind daher Maßnahmen erforderlich, die ihre Rechte auf ihr angestammtes Land, die gewohnheitsmäßigen Regelungen für die Wasserbewirtschaftung sowie den Schutz ihrer natürlichen Ressourcen gewährleisten.

Die vorherrschenden expansiven, technologischen Lösungen stehen in einem deutlichen Konflikt mit Umweltgerechtigkeit und Menschenrechten. In den Menschenrechten auf Wasser ist verankert, dass die staatlichen Repräsentant*innen „sicherstellen, dass keine der im Einzugsgebiet lebenden Bevölkerungsgruppen durch grenzüberschreitende Politiken und Projekte benachteiligt werden.“ (Adele Kirschner 2020: 166)

Philippinen, Indigene, Wasser

Dumagat-Remontado leben im Einklang mit den Gewässern ihrer Umgebung © Leilani Chavez, alle Rechte vorbehalten

Das NCWS-KDP ist jedoch ein weiteres Beispiel dafür, dass indigene Gruppen, die ihr Wasser mitunter direkt aus Flüssen oder Grundwasserquellen beziehen, oftmals in Planungsprozesse nicht entsprechend einbezogen werden. Die Dumagat-Remontado sind diesen Prozessen jedoch nicht schutzlos ausgeliefert. Sie zeigen eine bemerkenswerte Resilienz, da sie trotz der Bedrohung ihrer Lebensweise und Umwelt durch Staudammprojekte ihre kulturelle Identität bewahren.

Auf dem Weg zu nachhaltigen Lösungen?

Der gegenwärtige philippinische Präsident Ferdinand Marcos Jr. hatte das Projekt zwar vorübergehend gestoppt, die Arbeiten wurden mittlerweile allerdings wiederaufgenommen. Die Dumagat-Remontado haben mit ihrem Kampf ihre Lobby jedoch weiter ausgebaut, was sie für zukünftige Auseinandersetzungen stärken kann. Die Differenzen müssen nicht im Widerstand resultieren, sondern könnten kooperativ gestaltet werden, wie es bereits bei Waldbewirtschaftungsprojekten umgesetzt wird.

Die bestehenden Kompensationsmechanismen beim Wassermanagement zielen darauf ab, Entwicklungsprojekte ‚trotz‘ der Indigenen durchzusetzen. Sie reflektieren jedoch nicht deren grundsätzliche Ausrichtung. Um in Zeiten des Anthropozäns nachhaltige Lösungen zu entwickeln, sollten indigene Wissenssysteme und Lebensweisen ernst genommen werden. Die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen sollte vor Machtinteressen geschützt und als Stärke in die Planung und Umsetzung von Wasserprojekten einbezogen werden.




Malaysia, Regenwälder, Indigene

Die indigene Gruppe der Penan lebt in und von den Regenwäldern Borneos und ist daher von den Konflikten um den Wald stark betroffen© AMP Film, alle Rechte vorbehalten

Malaysias artenreiche Regenwälder in den Bundesstaaten Sabah und Sarawak sind durch eine alarmierende Zunahme illegaler Abholzung und den Bau zahlreicher Staudämme bedroht.

Das Land ist heilig; es gehört den unzähligen Toten, den wenigen Lebenden und den Vielen, die noch geboren werden.“ (Survival International)

Malaysias Regenwälder in Sabah und Sarawak auf der Insel Borneo beherbergen einige der ältesten und artenreichsten Ökosysteme der Welt. Zugleich sind sie Schauplatz einer anhaltenden Umwelt- und Menschenrechtskrise. Trotz gesetzlicher Schutzmaßnahmen haben illegale Abholzungen vor allem in Sarawak erschreckende Ausmaße angenommen. Dies wird durch Satellitenbilder und Berichte von Umweltschutzorganisationen deutlich, die die Vernichtung riesiger Waldgebiete dokumentieren. Große Unternehmen umgehen dabei häufig Umweltauflagen durch Korruption und die mangelnde Durchsetzung der Gesetze. Dies hat verheerende Auswirkungen auf die Lebensräume seltener Tiere und Pflanzen, die nur in diesen Ökosystemen existieren können. Zusätzlich trägt die Abholzung zur Verschärfung des Klimawandels bei, da die Wälder bedeutende Kohlenstoffspeicher sind, deren Zerstörung große Mengen CO2 freisetzt.

Staudammprojekte: Gefährdung von Ökosystemen und Gemeinschaften

Wälder, Quellen, Seen und Flüsse sind eine essentielle Lebensgrundlage indigener Völker und Gemeinschaften. Sie sind von unschätzbarem Wert, als Wasser- und Nahrungsquelle und auch wegen ihrer kulturellen und spirituellen Bedeutung.

Malaysia, Regenwälder, Indigene

Illegale Abholzung des Regenwalds auf Borneo © AMP Film, alle Rechte vorbehalten

Neben der illegalen Abholzung hat Malaysia in den letzten Jahrzehnten einen rapiden Anstieg im Bau großer Staudämme erlebt. Diese gelten als Symbole für Modernität und wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Dieses Image steht jedoch in starkem Kontrast zu den tiefgreifenden ökologischen und sozialen Auswirkungen, die insbesondere die indigenen Gemeinschaften betreffen.

Viele dieser Staudämme wurden ohne die Freie, Vorherige und Informierte Zustimmung (FPIC) der betroffenen indigenen Gruppen errichtet. Herausragende Beispiele hierfür sind der Baram- und der Bakun-Staudamm in Sarawak. Der Bakun-Staudamm gilt als einer der größten Staudämme in Südostasien und umfasst ein Wasserkraftwerk mit einer installierten Leistung von 2.400 MW. Seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2011 liefert das Bakun-Wasserkraftwerk eine gesicherte Leistung von 1.771 MW, abhängig von den Anforderungen des Stromnetzes.

Auswirkungen von Dämmen

Die Rodung großer Landflächen und die Errichtung staatlich unterstützter Staudammprojekte haben Regionen wie Sarawak destabilisiert. Dabei werden nicht nur Umweltschäden verursacht, sondern auch die Lebensgrundlagen verschiedener indigener Gruppen, die seit Jahrhunderten in Einklang mit der Natur leben, gefährdet. Die betroffenen indigenen Gemeinschaften, die hauptsächlich von Subsistenzlandwirtschaft und dem Sammeln von Waldprodukten leben, haben infolgedessen ihre Lebensgrundlagen verloren und mussten in Umsiedlungsgebiete ziehen, die oft nur unzureichend ausgestattet sind und nicht über die gleiche kulturelle und spirituelle Bedeutung verfügen wie ihr angestammtes Land.

Malaysia, Regenwälder, Indigene

Zwangsumsiedlung: Einblick in ein Penan-Siedlungsgebiet© AMP Film, alle Rechte

Besonders stark betroffen sind die Penan, ein halbnomadisches Volk, das tief mit dem Wald verwurzelt ist. Für die Penan ist der Wald nicht nur eine Quelle für Nahrung und Medizin, er hat auch eine große spirituelle Bedeutung. Rodungen und Staudämme haben ihre Lebensweise massiv beeinträchtigt, da große Teile ihres traditionellen Lebensraums zerstört wurden.

Wie die Penan haben weitere marginalisierte indigene Gruppen ihre Häuser und ihr angestammtes Land verloren, ohne dabei ein Mitspracherecht zu haben. Zwangsumgesiedelte Indigene wurden häufig in Umsiedlungsdörfer gebracht, die die versprochene Lebensqualität nicht boten. Zudem wurden sie in eine Geld-basierte Wirtschaft gedrängt, für die ihnen oft die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten fehlten, um erfolgreich agieren zu können. Dies führt zu zerrütteten sozialen Beziehungen, hoher Arbeitslosigkeit und anhaltender Armut. Zudem sind die Lebensumstände in den Umsiedlungsgebieten oftmals schlecht, da es an ausreichender Infrastruktur und grundlegenden Dienstleistungen wie funktionaler Gesundheitsversorgung und Bildung fehlt.

Die Zukunft hängt von den Entscheidungen der Gegenwart ab

Auch nach der Übernahme der Regierung durch Premierminister Anwar Ibrahim im Jahr 2022 stehen Malaysias Regenwälder im Zentrum einer anhaltenden Debatte über Umweltschutz und indigene Rechte. Beispielsweise gibt es weiterhin Kontroversen um den Bau von Staudämmen, da diese Projekte große Waldgebiete überfluten und Gemeinschaften vertreiben können.

Vor diesem Hintergrund bleibt der Schutz der indigenen Rechte in Sarawak weiterhin eine Herausforderung. Zwar hat die Regierung Schritte unternommen, um die illegale Abholzung einzudämmen und Umweltgesetze besser zu implementieren. Dennoch zeigen Berichte zahlreicher zivilgesellschaftlicher Organisationen, dass noch viel getan werden muss, um die Rechte indigener Gemeinschaften ausreichend zu schützen.

Malaysia, Regenwälder, Indigene

Proteste der Organisation Save Rivers gegen die Errichtung des Baram Dams © AMP Film, alle Rechte vorbehalten

Kritiker*innen bemängeln, dass wirtschaftliche Interessen oft über den Schutz der Umwelt und der Rechte indigener Völker gestellt werden. Obwohl die malaysische Regierung in einigen Fällen Zugeständnisse gemacht hat, sind die Rechte indigener Völker weiterhin nicht ausreichend geschützt. Zudem verschärft Korruption auf lokaler und nationaler Ebene die Situation, da Gesetze und Vorschriften häufig zugunsten mächtiger wirtschaftlicher Akteure umgangen oder nicht durchgesetzt werden.

Die Planung und Umsetzung weiterer großer Infrastrukturprojekte zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums in Malaysia stellen somit auch heute eine existentielle Bedrohung für das künftige Wohlergehen vieler indigener Gemeinschaften dar. Die Zukunft der Regenwälder Malaysias hängt also von verantwortungsvollen und nachhaltigen Entscheidungen ab. Obwohl unter Ibrahims Regierung Fortschritte erkennbar sind, bedarf es weiterhin verstärkter Anstrengungen und internationaler Zusammenarbeit, um die Zerstörung der Regenwälder zu stoppen und die Rechte indigener Völker in Malaysia zu schützen. In diesem Sinne sollte die internationale Gemeinschaft die amtierende Regierung Malaysias zur Rechenschaft ziehen.

Schutz indigener Rechte

Zudem ist es notwendig, indigene Gemeinschaften in ihrem entschlossenen Kampf um ihre Rechte und ihren traditionellen Lebensraum zu unterstützen. Indigene Gruppen versuchen beispielsweise, rechtliche Schritte einzuleiten, um ihre Rechte zu verteidigen und die Zerstörung weiterer Lebensräume zu verhindern. Dafür kann internationale Aufmerksamkeit unterstützend sein. Unterstützt werden sie dabei von NGOs und Menschenrechtsorganisationen wie Save Rivers Malaysia und dem Bruno Manser Fonds, die sich für den Schutz der Regenwälder und die Rechte der indigenen Völker in Sarawak einsetzen. Diese Organisationen bieten rechtliche Unterstützung, führen Kampagnen durch und arbeiten daran, das Bewusstsein für die Situation der indigenen Gemeinschaften auf lokaler und globaler Ebene zu schärfen.

Die malaysische Regierung und internationale Akteur*innen müssen den Dialog mit den indigenen Gemeinschaften intensivieren und sicherstellen, dass deren Stimmen bei der Planung und Durchführung von Infrastrukturprojekten gehört werden. Nur durch die Anerkennung und den Schutz der Rechte indigener Völker kann eine Balance zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Umweltschutz erreicht werden. Die Erfahrungen der indigenen Bevölkerung in Malaysia spiegeln eine generelle Marginalisierung indigener Minderheiten in Südostasien wider. Nur durch gemeinsame Anstrengungen können Südostasiens einzigartige Regenwälder, ihre Biodiversität und kulturelle Integrität für kommende Generationen erhalten bleiben. Der Schutz der Rechte indigener Völker und die Förderung nachhaltiger Entwicklung müssen somit höchste Priorität haben.

Filmtipp: The Borneo Case

Malaysia, Regenwälder, Indigene

Film Poster The Borneo Case von 2017 © AMP Film, alle Rechte vorbehalten

The Borneo Case, 2017 von den schwedischen Filmemachern Erik Pauser und Dylan Williams produziert, liefert eindrückliche Belege für die Zerstörung der Wälder und Wasserquellen und der Bedrohung jener Menschen, die sie schützen wollen. Die Dokumentation beleuchtet die Geschichte der illegalen Abholzung und der Errichtung von Staudämmen. Sie beginnt mit dem rätselhaften Verschwinden des Umweltaktivisten Bruno Manser im Jahr 2000. Manser hatte sich jahrelang für den Schutz des Regenwaldes und die Rechte der indigenen Penan-Gemeinschaft in Sarawak eingesetzt.

Der Film porträtiert auch die Bemühungen von Aktivist*innen wie Mutang Urud, Clare Rewcastle Brown, Peter John Jaban und Lukas Straumann, die trotz persönlicher Gefahren und politischem Druck weiterhin für Umwelt und Menschenrechte in Malaysia kämpfen. Der Film zeigt, wie wirtschaftliche Interessen und politische Machtstrukturen häufig den Schutz der Umwelt und indigener Rechte in Malaysia überlagern – aber auch, welche Handlungsmöglichkeiten wir als internationale Gemeinschaft haben.




Kambodscha, Mekong Staudamm

Der Don Sahong Staudamm in Laos ist nur zwei Kilometer von der kambodschanischen Grenze entfernt. © Sovann Sreypich, alle Rechte vorbehalten

Kambodscha: Klimawandel und Wasserkraftwerke bedrohen nicht nur die Flora und Fauna des Mekong, sondern auch die Lebensgrundlage von Millionen Menschen

Der Mekong, Lebensader für Millionen Menschen in Südostasien, befindet sich in einer ökologischen Krise. Unberechenbare Wasserfluten, sinkende Fischbestände und das Verschwinden der legendären Irrawaddy-Delfine bedrohen Lebensgrundlagen und Traditionen der Bevölkerung entlang des Flusses.

Der mächtige Strom bahnt sich seinen Weg durch Kambodschas nördliche Provinz Stung Treng an der Grenze zu Laos. Seine tiefen Wasserbecken beherbergen eine einzigartige Wasserfauna, darunter den riesigen Stachelrochen. Die lokale Bevölkerung lebt seit langem vom Reichtum des Flusses. Die Menschen werfen ihre Netze in den schlammigen Gewässern aus, um Nahrung und Einkommen zu erhalten.

Der 58-Jährige Phoy Vanna, Mitglied der Ökotourismus-Gemeinde Preah Rumkel, ist Augenzeuge der Krise des Mekong. Er weist auf die schwankenden Wasserstände hin, die durch den Bau von Staudämmen und den Klimawandel verursacht werden. „Diese Veränderungen vernichten die Überschwemmungswälder, die für das Ökosystem des Flusses von entscheidender Bedeutung sind“, erklärt er.

Kambodscha, Mekong Staudamm

Überschwemmungen in der Provinz Stung Treng entwurzeln Bäume oder lassen andere unter Wasser stehen. © Sovann Sreypich, alle Rechte vorbehalten

Trotz dieser Herausforderungen bleibt Vanna von der natürlichen Schönheit des Mekong begeistert. „Wasserfälle, Inseln, eine vielfältige Tierwelt – das waren schon immer unsere Schätze“, sagt er. Das Verschwinden der berühmten Irrawaddy-Delphine, die viele Touristen anzogen, sei ein enormer Verlust. „Die Staudämme und der Klimawandel haben sie vertrieben, damit fällt auch ein großer Teil unserer Einkünfte aus dem Tourismus weg“, beklagt er. In Preah Rumkel ist der Tourismus mit dem Verschwinden der Delfine um 70 Prozent zurückgegangen.

Staudämme bedrohen das gesamte Ökosystem

Mit Fischerei seinen Lebensunterhalt zu sichern, wird ebenfalls schwieriger. WDie Fischbestände schwinden wegen der Staudämme, durch illegalen Fischfang und die gestörten Wasserverhältnisse.“ Die Folgen sind gravierend. „Familien, die seit Generationen hier gefischt haben, kommen nicht mehr über die Runden“, sagt Vanna. Einige Dorfbewohner haben keine andere Wahl, als ihr Land zu verlassen und anderswo Arbeit zu suchen.

Die Zahlen der nationalen Fischereiverwaltung untermauern das. Sie verzeichnen einen Rückgang um 13,7 Prozent von 2019 bis 2020 und ein weiteres Minus von 7,3 Prozent im Jahr 2021. Phoy Vanna sieht diesen Rückgang in direkter Verbindung mit den flussaufwärts gelegenen Dämmen. „Die Staudämme bedrohen Fische, Delfine und das gesamte Ökosystem“, betont er. „Wir haben Abhilfe gefordert, aber sie haben die Felsen gesprengt und Umweltschäden verursacht, die der Tierwelt und den Menschen gleichermaßen schaden.“

Vanna weist auch auf die Untätigkeit der Regierung hin. „Die Behörden ignorieren die Einwände und setzen das Recht nicht durch“, sagt er. „Sie vernachlässigen ihre Pflicht und die Menschen leiden darunter.“

Kambodscha, Mekong Staudamm

In der Gemeinde Preah Rumkel in der Provinz Stung Treng werden Skelette toter Delfine ausgestellt. © Sovann Sreypich, alle Rechte vorbehalten

Gespräche mit Dorfbewohnern bestätigen Vannas Aussagen. Delfine gibt es in Anlong Chheu Teal seit 2022 nicht mehr. „Es wird immer schlimmer“, klagt ein Dorfbewohner. „Der Tourismus geht zurück, Ernten fallen aus und das Wasser fließt spärlich. Es ist schwer, sich den Lebensunterhalt zu verdienen.“

Das Don Sahong Hydropower Project

Seit 2020 gibt es flussaufwärts den Don Sahong-Staudamm im Süden von Laos, keine zwei Kilometer von der kambodschanischen Grenze entfernt. Wissenschaftler sehen das Gebiet als wichtige Passage für Fische im gesamten unteren Mekong-Becken.

Der Damm ist ein Gemeinschaftsprojekt der malaysischen Mega First Corporation Berhad und der Regierung von Laos. Im Jahr 2006 wurden Machbarkeitsstudien durchgeführt, 2015 erfolgte eine Vereinbarung über den Bau und Betrieb der Anlage, 2020 begann der Betrieb des Wasserkraftwerks.

Das Don Sahong Hydropower Project erzeugt 260 Megawatt Strom in einem der verzweigten Arme des Mekong im Siphandone-Gebiet im Süden von Laos. Das Projekt nutzt 15 Prozent des gesamten Mekong-Flusswassers.

Earthrights International, eine Non-Profit-Organisation für Menschenrechte und Umweltschutz, sieht im Don Sahong-Damm eine ernsthafte Bedrohung für die kommerzielle Fischerei wie auch für den Fischfang zum Eigenbedarf der Bevölkerung im unteren Mekong-Becken.

Dabei gibt es am Mekong bereits Beispiele, aus denen sich lernen ließe. Das kambodschanische Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Binnenfischerei (IFReDI) hat in einer Studie aus dem Jahr 2012 eine Verringerung der Fischereierträge durch den Bau des Stung Treng-Staudamms aufgezeigt. Dieser Damm reduziere die Erträge an Fischen und anderen Wassertieren bis 2030 voraussichtlich um sechs bis 24 Prozent bzw. um 34.000 bis 145.000 Tonnen.

Überschwemmungen zerstören Landwirtschaft

Horm, eine 40-jährige Mutter von vier Kindern aus Koh Chheuteal Thom, hebt die lebenswichtige Rolle des Mekong für ihr Dorf hervor: „Der Fluss ist alles“. Sie weist auf die jüngsten ökologischen Veränderungen hin, mit schwankenden Wasserständen, zunehmender Hitze, überschwemmter Vegetation und Rückgang der Fischpopulationen und der Delfin- Sichtungen.

Kambodscha, Mekong Staudamm

Im Dorf Koh Chheuteal Thom am Mekong müssen die Bauern mittlerweile ihre Pflanzen bewässern. © Sovann Sreypich, alle Rechte vorbehalten

Horm sieht diese Veränderungen in direktem Zusammenhang mit dem Bau des Don Sahong-Damms. „In der Nähe des Flussufers Gemüse anzubauen ist nicht mehr möglich“, klagt sie. „Manchmal lassen sie Wasser ab und verursachen Überschwemmungen. Ich muss dann Samen kaufen und neu pflanzen, das ist ein großes Problem.“

Dem Umweltverträglichkeitsbericht der Staudamm-Investoren zufolge hat das Don Sahong Hydropower Project nur minimale Auswirkungen flussabwärts in Kambodscha und im Mekong-Delta. Das Projekt würde die Ökologie und die Ökonomie des vom Mekong gespeisten Tonle Sap und die Menge des eindringenden Salzwassers in das Flussdelta nicht beeinträchtigen, heißt es dort.

Kein Lebewesen wird verschont

Eam Sam Un, Forschungsleiter für Biodiversität beim World Wildlife Fund (WWF), beobachtet die weitreichenden Auswirkungen des Klimawandels. Dazu gehören der globale Temperaturanstieg, veränderte Wettermuster und schwankende Wasserverhältnisse des Mekong. Er stellt fest, dass sich diese Veränderungen direkt auf die Fortpflanzung, Verbreitung und Ernährungsgewohnheiten der Fische auswirken.

„Wir haben dramatische Veränderungen beim Wasserstand und der Strömung des Mekong festgestellt“, berichtet Sam Un. „Das hat zu flacheren Stellen im Fluss, höheren Temperaturen des Wassers und einer allgemeinen Beeinträchtigung von Fischen, Delfinen und anderen Arten, die vom Fluss abhängen, geführt.“

Die Großregion Mekong ist in hohem Maße vom Fluss abhängig. Er ist auch eine Fundgrube für die biologische Vielfalt, denn in nur zehn Jahren wurden über tausend neue Arten entdeckt. Der Strom beherbergt eine Vielzahl außergewöhnlicher und seltener Lebewesen, darunter der gigantische Mekong-Wels, riesige Süßwasserrochen, gewaltige Cantor-Schildkröten und Irrawaddy-Flussdelfine.

Schädliche Auswirkungen der Dämme sind bekannt

In einem Online-Webinar des Center of Khmer Studies wurden im Jahr 2022 die schädlichen Auswirkungen der stromaufwärts gelegenen Wasserkraftdämme in China und Laos erläutert. Diese Staudämme stören die natürlichen Zyklen des Mekong, verändern die wichtigen Trockenperioden der Überflutungswälder und beeinträchtigen viele Tier- und Pflanzenarten.

Fischer werfen ihre Netze auf dem Mekong aus. © Sovann Sreypich, alle Rechte vorbehalten

Ke Van Sai, 73, Dorfvorsteher von Koh Chheuteal Thom, beklagt den Verlust von Fischen und Delfinen in der Region von Preah Rumkel. Der ökologische Niedergang habe zu einem drastischen Rückgang des Fremdenverkehrs und zu wirtschaftlicher Not geführt, sodass etwa 40 Prozent der Dorfbewohner gezwungen seien, auf der Suche nach Arbeit fortzuziehen.

Van Sai vermutet geheime Absprachen zwischen illegalen Fischern und lokalen Amtsträgern. Er erklärt: „Die Leute fischen illegal, weil sie Beziehungen zu den Behörden haben. Wenn jemand diese umstrittene Verbindung kappt, würde niemand mehr wagen, das zu tun. Ich mache niemandem einen Vorwurf, aber es ist wahr.“

Yan Suntak, 69, Dorfvorsteher von Preah Rumkel, ist traurig über den Rückgang der Delfine in Anlong Chheu Teal. Er beobachtet auch das Absterben großer Bäume im Überschwemmungsgebiet aufgrund der unregelmäßigen Schwankungen des Mekong. Wechselnde Wasserstände verhindern das Wurzelwachstum und führen zum Absterben der Bäume.

Wer ist verantwortlich?

Ian Baird, Professor für Geografie an der Universität von Wisconsin-Madison in den USA, erklärt, was sich in den vergangenen Jahrzehnten durch Staudämme in China verändert hat. Sie speicherten während der Regenzeit das Wasser und ließen es in der Trockenzeit wieder ab. Dadurch komme es dazu, dass der Mekong in der Trockenzeit mehr Wasser führe. Das Mehr an Wasser schädige die Ökologie des Mekong in Kambodscha und verursache die saisonale Überflutung von Wäldern zwischen der laotisch-kambodschanischen Grenze und Stung Treng im Nordosten Kambodschas. „Das wirkt sich negativ auf viele Wasserlebewesen und auch auf die Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort aus.“

Nach Angaben von Baird gibt es flussaufwärts am Mekong in Südchina 13 Staudämme, von denen zwei über sehr große Stauseen verfügen, die das Wasser während der Regenzeit speichern und in der Trockenzeit wieder abgeben können. So sei es nicht in erster Linie der Don Sahong-Damm, der die Flüsse und Überschwemmungsgebiete beeinträchtige. „Der Don Sahong-Damm hat ein relativ kleines Reservoir und ist nicht in der Lage, Wasser in der Regenzeit zu speichern und in der Trockenzeit wieder abzugeben. Er kann tageweise Wasserschwankungen verursachen, aber er kann nicht die saisonalen Wasserstände verändern“, sagt Baird.

Kambodscha, Mekong Staudamm

Ein Fischer wartet auf einen günstigen Moment, um seine Netze auszuwerfen. © Sovann Sreypich, alle Rechte vorbehalten

Baird ist insbesondere besorgt über die Wasserstände in der Trockenzeit. „Der beste Weg, die ökologischen Auswirkungen zu mildern, wäre es, das Wasser in einer Weise abzulassen, die dem natürlichen Abfluss entspricht“, meint er.

Rückgang der Wälder

Pun Chanthyda aus der Gemeinde Preah Rumkel beobachtet einen kontinuierlichen Rückgang der Wälder und eine erhebliche Verringerung der Fischbestände. Sie führt dies auf die vermehrte Wasserflut und die ausgedehnten Überschwemmungen zurück, die das Wurzelwachstum der Bäume beeinträchtigen. „Der Wald wird überflutet, weil die Wassermengen größer sind als früher. Außerdem stehen die Bäume schon fünf Jahre lang in der Nässe. Das Flusswasser geht nicht zurück, deshalb können die Bäume keine Wurzeln schlagen“, sagt sie.

Eam Sam Un vom WWF berichtet, dass es laut einer Untersuchung im Jahr 2020 eine Population von 89 Irrawaddy-Delfinen gab. Er stellt einen Schwund bei der Zahl der Delfine und auch bei ihrem Verbreitungsgebiet fest. Sie seien eine symbolträchtige Spezies und zugleich auch ein Indikator für den Zustand des Ökosystems.

Phoy Vanna betrachtet die toten Delfinskelette, die im Tourismusbüro von Preah Rumkel ausgestellt sind. „Das ist alles, was den Touristen und unseren Kindern bleibt, die vielleicht davon träumen, einen lebenden Delfin zu sehen“, sagt Vanna.

Übersetzung aus dem Englischen von: Norbert Schnorbach

Der Artikel erschien am 26. April 2023 im englischen Original bei CamboJa News und wurde für die südostasien redaktionell bearbeitet.