Kambodscha, Kayak, Tourismus

Kajaktouren auf dem Tonle Sap bieten Naturerlebnisse, die zu nachhaltigen Lebensweisen anregen © YEP Academy

Kambodscha: Der Tonle Sap ist der größte See Südostasiens und Lebensgrundlage für unzählige Pflanzen, Tiere und Menschen. Gleichzeitig dient er zunehmend als Freizeitrevier für Tourist*innen, die Natur aktiv erleben wollen.

Kajakfahren kann Rennen, Freestyle, Flexibilitätsstile oder Wildwassertouren beinhalten. Es ist ein herausfordernder und aufregender Sport, der Geschicklichkeit, Kraft, Ausdauer und Bewusstsein erfordert. Der Tonle Sap See, größter natürlicher Süßwassersee Südostasiens und ein UNESCO-Biosphärenreservat, ist in Kambodscha einer der Orte, an denen man Sportkajak fahren kann. Der See hat eine einzigartige Hydrologie, die dazu führt, dass der Wasserstand zwischen Trocken- und Regenzeit schwankt. Dadurch entstehen unterschiedliche Lebensräume und Ökosysteme, die je nach Jahreszeit und Vorlieben von Sportbegeisterten unterschiedliche Möglichkeiten bieten.

Tourismus anstatt Fischerei

Im Rahmen unserer persönlichen Kajakcamp-Erfahrung besuchten wir zusammen mit unserer Trainingsgruppe das schwimmende Dorf Mechrey, das auf dem Tonle Sap See liegt. Der Lebensunterhalt der Dorfgemeinschaft hängt weitgehend vom Fischfang ab. Leider sind die Fischerträge in den letzten Jahren aufgrund menschlicher Eingriffe in die natürlichen Wasserverhältnisse zurückgegangen, sodass die Dorfbewohner*innen nach alternativen Einkommensmöglichkeiten suchen müssen.

Kambodscha, Kayak, Tourismus

Geringerer Fischfang belastet die auf dem Tonle Sap lebenden Gemeinschaften. Sie sind deshalb auf andere Einkommensquellen angewiesen. © YEP Academy

Eine davon ist der gemeindebasierte Tourismus, der den Dorfbewohner*innen die Möglichkeit bietet, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und sich über die Vielfalt des Tonle Sap, die damit verbundenen Kulturen der Gemeinden und die Herausforderungen, denen sie und das gesamte Ökosystem gegenüberstehen, auszutauschen. Zu unseren Zielen für das Camp gehörte es daher, Unterstützung und Bewusstsein für die Gemeinden zu kreieren, uns selbst herauszufordern und uns durch die überfluteten Wälder, Fischerdörfer und Ökosysteme des Flusses treiben zu lassen.

Kajakfahren im eigenen Tempo

In Kambodscha ist keine formale Ausbildung oder Zertifizierung für das Kajakfahren erforderlich. Daher können Besucher*innen oft beobachten, wie Menschen während ihres Urlaubs Kajak fahren, als kleinen, aber wesentlichen Teil ihrer Reise. Kajakfahren kann auf verschiedene Weise, individuell oder als Gemeinschaftsaktivität, ausgeübt werden.

Individuell kann allein oder mit Guides auf dem Tonle Sap See Kajak gefahren werden. Dabei können Kajakfahrende die Landschaft genießen, Wildtiere beobachten und ihr eigenes Tempo bestimmen. Sie können sich auch eigene Ziele und Herausforderungen setzen, zum Beispiel eine bestimmte Strecke oder eine bestimmte Zeitspanne paddeln oder verschiedene Techniken oder Manöver ausprobieren. Das Kajakfahren kann auch als eine Form der Meditation oder Entspannung genutzt werden, indem man in ruhigen Gewässern paddelt und den Geräuschen der zwitschernden Vögel, dem Wind, der die Blätter berührt, und den Wellen des Wassers lauscht und die Gedanken mit dem Rhythmus fließen lässt.

Als Gemeinschaftsaktivität können Gruppen auf dem Tonle Sap See Kajak fahren, um gemeinsam Abenteuer zu erleben. Außerdem bietet das Kajakfahren in der Gruppe einen Raum, um den Teamgeist zu fördern und die Kommunikationsfähigkeit zu stärken. Ebenso besteht die Möglichkeit, sich einer Reisegruppe oder einer Organisation anzuschließen, die Sportkajaktouren auf dem Tonle Sap See organisiert, um neue Leute mit ähnlichen Interessen kennen zu lernen.

Mehr Männer als Frauen fahren Kajak

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Trotz alter Rollenvorstellungen sind Kajakfahren und andere Wassersportarten zunehmend auch bei Frauen beliebt © YEP Academy

Laut einer Studie von Indochine Exploration, einem Reiseveranstalter, der Sportkajaktouren auf dem Tonle Sap See anbietet, gibt es mehr männliche als weibliche Reisende, die an Kajakaktivitäten teilnehmen. Die Studie ergab, dass 67 Prozent der Kund*innen des Veranstalters männlich und 33 Prozent weiblich waren. Die Studie ergab auch, dass das Durchschnittsalter der Kajakfahrenden bei 35 Jahren liegt. Die meisten von ihnen kamen aus Europa, Nordamerika und Australien. Als mögliche Gründe für das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern beim Kajakfahren auf dem Tonle Sap See nannte die Studie die mangelnde Bekanntheit und Werbung für diese Sportart unter Frauen, das Risiko der Sportart sowie kulturelle und soziale Normen, die die Wahl der Freizeitaktivitäten von Frauen beeinflussen.

In der Studie werden Strategien empfohlen, um mehr Frauen als Kundinnen anzuziehen, wie zum Beispiel das Angebot von frauenfreundlicheren Dienstleistungen und Einrichtungen, die Schaffung von mehr weiblichen Vorbildern und Ausbilder*innen und die Entwicklung von geschlechtsspezifischen Marketingkampagnen. Nach unserer Beobachtung ist die Kluft auch darauf zurückzuführen, dass Kajakfahren als Sport angesehen wird, für den man körperlich stark sein muss. Das führt zu der Annahme, dass es ein Sport für Männer ist.

Positives Feedback von Teilnehmerinnen

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Anwohner*innen des Tonle Sap nutzen flache Holzboote mit Außenbordantrieb an langer Stange © YEP Academy

Eine weitere Informationsquelle über geschlechtsspezifische Unterschiede beim Kajakfahren auf dem Tonle Sap See sind Berichte früherer Kund*innen, die über ihre Erfahrungen und ihr Feedback zu den Kajakaktivitäten berichteten. Diese brachten auch Zufriedenheit und Freude an diesem Sport zum Ausdruck. Eine Frau stellte zum Beispiel fest: „Ich hatte eine tolle Zeit beim Kajakfahren auf dem Tonle Sap See. Es war eine schöne und friedliche Art, den See zu erkunden und die Tierwelt zu beobachten. Die Guides waren freundlich und hilfsbereit.“ Sie hätten ihr auch gezeigt, wie man richtig Kajak fährt. „Ich habe mich während der gesamten Reise sicher und wohl gefühlt. Ich würde diese Aktivität allen empfehlen, die Natur und das Abenteuer lieben“, fährt sie fort.

Eine andere Teilnehmerin sagte rückblickend: „Die ganze Reise hat mir die Augen geöffnet und war eines der lehrreichsten und abenteuerlichsten Camps, die ich je erlebt habe.“ Sie fand es spannend, etwas über den großen Tonle Sap See, den Lebensunterhalt der schwimmenden Dörfer und die Herausforderungen der Ökosysteme zu erfahren. „Ich bin dankbar für das Fachwissen unseres Trainers bei der Durchführung des Programms, für den herzlichen Empfang durch die örtlichen Guides und für das Programm selbst“, ergänzt sie.

Schönheit und Vielfalt des Sees erleben

Unserer Beobachtung passen die Kajaktouren auf dem Tonle Sap See sowohl zu männlichen als auch weiblichen Teilnehmer*innen. Das Interesse am aktiven Kajakfahren hängt eher vom Charakter ab und ist für Menschen unterschiedlichen Alters, Fitnessniveaus und Hintergrunds geeignet. Kajaktouren sollen vor allem Spaß machen, lehrreich und umweltfreundlich sein. Es gibt zwar geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Teilnahme am Kajaksport auf dem Tonle Sap See. Allerdings gibt es auch Gemeinsamkeiten und Möglichkeiten für beide Geschlechter, den Sport zu genießen. Kajakfahren auf dem Tonle Sap See ist etwas für Menschen, die die Schönheit und Vielfalt des Sees und seiner Umgebung erleben wollen.

Kambodscha, Kayak, Tourismus

Die dickstieligen Wasserhyazinthen am Tonle Sap dienen sowohl der Biodiversität als auch der Reinigung des Wassers © YEP Academy

Nach unseren Erfahrungen kann man beim Kajakfahren etwas über sich selbst, die Kultur und Geschichte Kambodschas erfahren und gleichzeitig die lokalen Gemeinschaften und den Naturschutz in der Region unterstützen. Die schonende und unaufdringliche Art, natürliche Wasserwege zu erkunden, ermöglicht es den Teilnehmenden, Ökosysteme hautnah zu erleben und ein tieferes Verständnis für die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Natur zu entwickeln. Die stärkere Verbindung des Kajakfahrens mit der Natur des Tonle Sap Sees kann zu einem stärkeren Umweltbewusstsein und dem Wunsch führen, aquatische Lebensräume zu schützen.

Darüber hinaus beteiligen sich Kajakfahrende häufig an Aufräumaktionen, bei denen sie Unrat und Müll aus den Gewässern entfernen und so die Erhaltung der lokalen Ökosysteme verbessern. Die Ausübung des Kajaksports fördert auch ein verantwortungsbewusstes Verhalten in der Natur und die Einhaltung der Leave No Trace-Grundsätze (Lasse nichts zurück), wodurch die negativen Auswirkungen auf empfindliche aquatische Ökosysteme verringert werden.

Übersetzung aus dem Englischen von: Simon Kaack


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Kambodscha, Tonle Sap, Klimawandel

Schwimmende Gemeinschaften sind durch die Auswirkungen des Klimawandels besonders bedroht. © KCD

Kambodscha: In der Provinz Kompong Chhnang sind die Menschen abhängig vom Ökosystem des Tonle Sap. Lokale Gemeinschaften müssen bei Antworten auf die Klima-Krise einbezogen werden

Der Klimawandel könnte zu einer katastrophalen Zukunft führen, wenn er nicht eingedämmt wird. Steigende globale Temperaturen führen zu Wirbelstürmen, Dürren, Überschwemmungen und Waldbränden. Diese Ereignisse können Gemeinden zerstören, Lebensräume verwüsten. Sie bedrohen Menschen, Wildtiere sowie Ökosysteme. Darüber hinaus kann der Klimawandel zu Bevölkerungsverschiebungen, einer verstärkten Ausbreitung von Krankheiten, Nahrungsmittel- und Wasserknappheit sowie instabilen Volkswirtschaften führen. Die Auswirkungen sind weitreichend und können bereits bestehende sozioökonomische Ungleichheiten und Ungleichheit noch verschärfen.

Ungewisse Zukunft

Seit Generationen verlassen sich die Menschen um den Tonle Sap auf seine saisonalen Überschwemmungen, um das Land mit nährendem Schlamm zu fluten, sowie die Fischbestände und die landwirtschaftlichen Kreisläufe aufrechtzuerhalten. Das einzigartige Ökosystem des Sees liefert Nahrung, Wasser und Einkommen und ist damit von zentraler Bedeutung für das kulturelle und wirtschaftliche Gefüge der Region. In Kampong Chhnang dient der Tonle Sap mit seinem Fisch-Reichtum für viele Familien als wichtigste Protein- und Einkommensquelle.

Kambodscha, Tonle Sap, Klimawandel

Die Lebensbedingungen in den schwimmenden Dörfern auf dem Tonle Sap verändern sich durch langfristige Umweltprobleme drastisch. © KCD

Wirtschaftliche Zwänge, soziale Hindernisse und Umweltveränderungen tragen jedoch zu einer ungewissen Zukunft für die lokale Bevölkerung bei. Zu den Bedrohungen gehören Überfischung, Abholzung, Verschmutzung und Klimawandel. Sie bedrohen den Tonle Sap, der wegen seiner biologischen Vielfalt und seiner Bedeutung für den Lebensunterhalt der umliegenden Gemeinden geschätzt wird.

Der 43-jährige Le Yang Kor lebt in dem Dorf Chhnuk Trou in der Provinz Kampong Chhnang, einem Gebiet, das jedes halbe Jahr überschwemmt wird. „Seit ich ein kleines Kind war, wohne ich hier. Jetzt kann ich sehen, wie sich die Umwelt in meinem Dorf verändert hat: starke Stürme und heftige Regenfälle in der Regenzeit und extreme Hitze und Trockenheit in der Trockenzeit“, sagt er.

Immer weniger Fisch

Das allgemeine Wohlergehen der Gemeinschaften, die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, Wasser und Einkommensquellen werden durch diese Veränderungen direkt beeinträchtigt. Die 29-jährige Vietnamesin Wang Thi Yong aus der Provinz Kampong Chhnang erklärt: „Ich sehe, dass es immer weniger Fische gibt. Das macht es für die Dorfbewohner*innen, von denen die meisten Fischer*innen sind, schwierig, ihr tägliches Einkommen zu sichern.“ Schwankungen des Wasserstands, Rückgang der Fischpopulationen und die Zerstörung natürlicher Ökosysteme erschweren das Überleben der Menschen am See.

Kambodscha, Tonle Sap, Klimawandel

Vulnerable Gruppen tragen die Hauptlast der klimabedingten Auswirkungen. © KCD

Generell sind die ethnischen vietnamesischen Gemeinschaften in Kambodscha oft mit Staatenlosigkeit und Rechtsverletzungen konfrontiert. Viele von ihnen leben seit Generationen im Land. Doch ihre Wurzeln und historischen Bindungen werden von den Behörden oft nicht beachtet. Meist fehlen Geburtsurkunden und Staatsbürgerschaft, was ihren Zugang zu wichtigen staatlichen Dienstleistungen in den Bereichen Bildung, Gesundheitsversorgung und Beschäftigung stark einschränkt. Diskriminierung, Vorurteile und soziale Ausgrenzung verschärfen diesen Zustand und behindern gesellschaftliche Teilhabe.

Frauen und Kinder besonders betroffen

Die Umweltprobleme, mit denen die gesamte lokale Bevölkerung konfrontiert ist, werden durch die wirtschaftliche Instabilität, die eingeschränkten Beschäftigungsmöglichkeiten und den begrenzten Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung noch verschärft. Frauen, Kinder und am Fluss lebende Gemeinschaften sind von diesen Problemen unverhältnismäßig stark betroffen. Him Srey Pich, eine 17-jährige Verkäuferin im Dorf Chroy in der Provinz Kampong Chhnang, äußert sich besorgt über den Rückgang der Fischpopulation, sinkende Erträge und Preise für ihre Ernte sowie über die unbeständigen Wetterverhältnisse.

Trotz dieser Hindernisse haben die Gemeinschaften rund um den Tonle Sap Hoffnung auf eine widerstandsfähigere und nachhaltigere Zukunft. Srey Pich meint, dass Nichtregierungsorganisationen und die junge Generation Schulungen zur Flussfischerei, zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur Erhaltung der Umwelt des Tonle Sap erhalten sollten. Wang Thi Yong wünscht sich, dass die Regierungsbehörden streng gegen illegalen Fischfang und illegale Abholzung vorgehen.

Gemeinsam auf Veränderungen vorbereiten

Kambodscha, Tonle Sap, Klimawandel

Um eine dauerhafte Sicherheit für schwimmende Gemeinschaften zu erreichen, müssen Probleme mehrdimensional angegangen werden. © KCD

Durch Initiativen, die den Aufbau von beruflichen Fähigkeiten, gemeindebasierten Tourismus, nachhaltige Fischereimethoden und die Erhaltung des Ökosystems unterstützen, können die Menschen am Tonle Sap gestärkt und ihre Lebensweise geschützt werden. Die Zusammenarbeit zwischen Regierungsbehörden, Unternehmen, gemeinnützigen Organisationen und lokaler Bevölkerung kann den Mitgliedern der Gemeinden Kampong Chhnangs helfen, auf eine sicherere und wohlhabendere Zukunft hinzuarbeiten.

Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung zu berücksichtigen, sie dabei zu unterstützen, widerstandsfähiger und anpassungsfähiger zu werden sowie sicherzustellen, dass ihre Rechte und ihr Wohlergehen bei allen Entscheidungsprozessen Vorrang haben. Diese Zusammenarbeit kann die Gemeinschaften am Tonle Sap besser auf klimatische Veränderungen vorbereiten und ihr so Hoffnung für eine bessere Zukunft geben.

Übersetzung aus dem Englischen von: Simon Kaack

Die Zitate stammen von Teilnehmer*innen eines von Khmer Community Development durchgeführten Projekts.


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